Die Alte Schleusinger Straße ist der kürzeste Fußweg ins Zentrum. Er wird von vielen Bewohner*innen der EAE genutzt, wenn sie einkaufen, oder einfach Zeit im Zentrum verbringen wollen. Der steile Weg ist sehr beschwerlich v.a. für alte und andere beeinträchtigte Menschen.
Inhalt der Zeitung
Gespräche
Ein Einzelhändler aus dem Zentrum
»Es ist immer schwierig, so aus dem Zusammenhang gerissene Wahrnehmungen oder auch Äußerungen in den großen Kontext einzuordnen, wo man das große Ganze nicht kennt.«
Rashid, der in Suhl viel Ablehnung erlebt
»Lass sie erst mal ankommen und versuch mal, wenn du willst, ihnen mit einer positiven Energie entgegen zu treten – oder sie sonst einfach in Ruhe zu lassen.«
Doreen Fischer, Lokal-Redakteurin »Freies Wort«
»Bei uns im Arbeitsalltag fehlt einfach die Zeit, dass man mal sagt: Ich guck mal hin und unterhalte mich mit jemandem.«
Reinhard Hotop, unabhängiger Asylverfahrensberater
»Ich glaube jeder Deutsche, der in so einer Situation leben würde, der würde durchdrehen. Der würde es nicht lange ertragen. Aber die Menschen dort haben Angst.«
Eine queere Person, die über ein halbes Jahr in der EAE lebt
»Die Menschen in Suhl erwarten nicht, dass die Menschen im Lager so sind wie ich.«
Ein Anwohner am Fußweg zur Erstaufnahme
»Es sind einzelne – vielleicht sind es keine zehn, zwanzig von den tausend – aber trotzdem kann was passieren.«
Riadh Ben Ammar, Theatermacher
»Statt zu sagen, dass Migranten gar nichts mit Kriminalität zu zu tun haben, versuche ich zu erklären: Warum machen die das?«
Extra-Material
Statistiken zu Leerstand und Bevölkerungsentwicklung
Statistik zum Anteil Zwangsvertriebener an der Bevölkerung verschiedener Länder
Strukturelle Mängel in der Erstaufnahme Suhl
Chronik rassistischer Vorfälle in Suhl
Essen in der EAE
Offener Brief zur Gesundheitsversorgung in der Erstaufnahme
Ablauf des Asylverfahrens
Informationen zur Arbeitserlaubnis für geflüchtete Menschen
Plädoyer für einen zweiten Blick auf die Kriminalstatistik
Vorwort
Suhl ist seit 2014 Standort der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für geflüchtete Menschen in Thüringen. Seitdem wurde in Suhl sehr viel über die Menschen in der Einrichtung gesprochen, aber wenig mit den Menschen, die direkt involviert sind. Deshalb haben wir sie interviewt: Vom Anwohner am Fußweg in die Stadt und einem Einzelhändler, über geflüchtete und von Rassismus betroffene Menschen, bis zu Mitarbeitenden einer Beratungsstelle oder der Lokalzeitung. Sie alle haben, ob sie es wollen oder nicht, immer wieder mit der Einrichtung zu tun und dabei unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Natürlich bilden diese sieben Gespräche bei weitem nicht alle Perspektiven ab, die für das Thema wichtig sind. Aber sie sind ein Anfang.
Anknüpfend an unser Zeitungsprojekt über Suhl-Nord haben wir diese Erfahrungen nun in dieser Foto-Text-Zeitung zusammengetragen. Ergänzt werden die Gesprächsprotokolle durch Zahlen und Fakten zum Thema und Fotos unterschiedlicher Lebensrealitäten in Suhl. So wollen wir einen Blick hinter die oberflächlich sichtbaren Probleme ermöglichen und zum Nachdenken anregen: Wie können die unterschiedlichen Perspektiven zusammengebracht werden?
Wir wollen mit den verschiedenen Perspektiven deutlich machen, wie komplex das Thema Migration und Integration in Suhl und darüber hinaus besprochen werden muss. Schuldzuweisungen und vorschnelle Urteile bringen aus unserer Sicht nicht weiter. Nicht nur, dass damit Menschen verletzt werden und der Diskurs abbricht, zusätzlich verspielen wir uns so die Chance Suhl wirklich lebenswerter zu gestalten. Denn im Zentrum muss für uns immer die Frage stehen: Wenn wir das Wohl aller Menschen in den Mittelpunkt stellen, zu welchen Lösungen können wir dann kommen?
Nahezu alle Menschen, mit denen wir gesprochen haben, sehen die Notwendigkeit für mehr Austausch – über Ängste, Vorurteile, unterschiedliche Lebensrealitäten und Sicherheitsbedürfnisse. Und wir nehmen es uns zur Aufgabe, diesen Dialog auch nach der Veröffentlichung weiterzuführen. Das kann in unserem „Community Art Center“ geschehen, das wir Ende September im Zentrum von Suhl eröffnen. Bereits geplant ist ein erster Workshop für Jugendliche, die sich mit der Zeitung auseinandersetzen und ihre Reaktionen als Podcast und auf der Projektwebseite veröffentlichen. Genauso kann die Zeitung und der Austausch darüber auch zu Ihnen kommen: In Ihre Schule, in Ihre Kaffeerunde oder an Ihren Arbeitsplatz – sprechen Sie uns an. Unterstützen Sie uns beim Verteilen der Zeitungen, wenn Sie das Projekt wichtig finden. Und nehmen Sie sich doch die Gespräche in der Zeitung als Anregung, selbst ins Gespräch zu kommen – mit Menschen, die eine andere Perspektive haben.
unofficial.pictures Suhl im August 2024
Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMFSJ oder des BAFzA dar. Für inhaltiche Aussagen tragen die Autor*innen die Verantwortung.